Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 070 - 10.04.2014

Arm zu sein, ist im reichen München besonders hart

 

„Reiche Stadt – arme Stadt. Die gefährliche Spaltung Münchens“ – der Titel des Vortrags von Kathrin Hartmann deutet bereits an, dass hier kein rosarotes Bild der Weltstadt mit Herz zu erwarten war. "München ist die Stadt der Reichen und Schönen“, sagte Hartmann, „doch jeder fünfte Münchner ist arm oder von Armut bedroht. Darin liegt kein Widerspruch: Je mehr Menschen von Armut betroffen sind, desto mehr Reichtum konzentriert sich bei einigen wenigen."

Die Journalistin und Autorin des Buches „Wir müssen leider draußen bleiben“ geht in ihren Reportagen den Ausgrenzungen in der Gesellschaft nach, spricht mit Menschen an den sozialen Brennpunkten wie in den Chefetagen. Einen genauen Blick richtet sie auf die Institution der Tafel, die Bedürftigen zwar helfe satt zu werden, sie doch letztlich nur abspeisen könne mit den Resten der Konsumgesellschaft. „Wer bei der Tafel in der Schlange steht, spürt, dass er nicht wirklich dazugehört“, so Hartmann. Arm zu sein, sei gerade im reichen München besonders hart.

Erich Guttenberger vom Erwerbslosenausschuss der Gewerkschaft ver.di unterstrich die Kritik am „Tafel-System“: „Der Gedanke, den Sozialstaat in ein ‚Charityland‘ umzuwandeln, beseelt Wirtschaft und Politik. Wir brauchen stattdessen eine bessere, bedarfsgerechte, soziale Grundsicherung, einen Mindestlohn und eine Rente, die nicht zu Altersarmut führt.“

In der Diskussion mit 50 Teilnehmenden aus Kirchen, Gewerkschaften und diversen sozialen Initiativen der Stadt wurden weitere Aspekte der sozialen Spaltung Münchens beleuchtet, etwa die Mietexplosion, die zu einem der größten Armutsrisiken der Stadt geworden ist.

Nedialko Kalínov, Sozialarbeiter der Caritas und Priester der bulgarisch-orthodoxen Gemeinde in München, berichtete zudem von der Lage der Wanderarbeiter, die von allen Armen am stärksten entrechtet und an den Rand der Stadtgesellschaft gedrängt seien: “Wanderarbeit ist für viele Menschen, gerade wenn sie schlecht ausgebildet sind, nichts anderes als eine Form moderner Sklaverei.”

Der Runde Tisch München ist ein gemeinsames Forum des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung und des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt der evangelischen Kirche. 

Für Rückfragen stehe ich ihnen natürlich jederzeit gerne zur Verfügung. 

Natascha Almer

DGB-Region München

Regionssekretärin

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