Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte des 1. Mai in München

1923: Preußische Waffen für bayerische Arbeiter

Arbeiterdemonstration

Arbeiterdemonstration der KPD am 1. Mai 1926

Archiv der Münchner Arbeiterbewegung

Am 1. Mai 1923 sammelten sich auf dem Oberwiesenfeld einige tausend bewaffnete Nationalsozialisten, Angehörige des Bundes Oberland und der Brigade Erhard, um den Mai-Aufmarsch der organisierten Arbeiterschaft zu zerschlagen. Auf der Theresienhöhe und am Bavariaring standen Lastwagen des Konsumvereins Sendling-München, in denen sich Waffen befanden, die das republikanische Preußen geliefert hatte, um die Kundgebung notfalls mit Waffengewalt schützen zu können. Die Entschlossenheit der annähernd hunderttausend auf der Wiesn und die Überlegung, dass die Zeit für einen Rechtsputsch noch nicht reif sei, veranlasste die verantwortlichen bayerischen Politiker, die Nazis durch die Reichswehr entwaffnen zu lassen.


Während der ganzen Zwanziger Jahre erfuhren die Maifeiern der Gewerkschaften in München immer wieder Behinderungen wie beispielsweise 1925 das Verbot, sie unter freiern Himmel abzuhalten, wodurch sie in verschiedene Säle verlegt werden mussten. Dennoch wurden gerade die Feiern zum 1. Mai 1925 von gewerkschaftlicher Seite als eine voll gelungene Veranstaltung bezeichnet:


"Die reaktionäre bürgerliche Mehrheit hatte damit einen Sieg errungen, die Maifeier wurde in die Säle gebannt. Und trotzdem! Der erste Mai wurde eine Massenkundgebung der Münchener Arbeiterschaft. Die drei Massenversammlungen im Löwenbräukeller, Mathäserfestsaal und Bürgerbräukeller waren derart überfüllt, dass Parallelversammlungen abgehalten werden mussten. Als Festredner fungierte im Löwenbräukeller Gustav Schiefer, im Mathäserfestsaal Kollege Kaufmann, in der Parallelversammlung Kollege Anton Fribl, im Bürgerbräukeller Stephan Dolp. Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf, das konnte sich die bürgerliche Reaktion Münchens an diesem Tage ins Tagebuch schreiben. Die Nachmittagsveranstaltung in der Menterschwaige, an Stelle des Stadtgartens Hellabrunn, war vom Wettergott ungünstig beeinflusst."


Als weitere Beispiele von Maifeiern in München seien die vom Mai 1928 und 1929 genannt, an denen in mehreren Demonstrationszügen besonders viele Menschen teilnahmen. Ähnlich wie die SPD veranstaltete die KPD, so auch 1929, ihre Maifeiern zunächst an verschiedenen Orten, um den 1. Mai nachmittags und abends dann mit einer zentralen Feier zu beschließen. Wurden die Maifeiern vor dem I. Weltkrieg vor allem von den Arbeitersängern musikalisch umrahmt, so trat in den Zwanziger Jahren in zunehmendem Maße die Instrumentalmusik hinzu. Das der SPD nahestehende Reichsbanner Schwarz Rot Gold, eine vor allem gegen nazistische Übergriffe gegründete paramilitärische Formation, verfügte ebenso wie der ähnlich gegliederte Rotfrontkämpferbund der KPD auch in München über eine Schalmeienkapelle. (Die Arbeiterschalmei ist, im Gegensatz zur hölzernen Hirtenschalmei, ein leicht erlernbares Blechblasinstrument, das aus mehreren Martinshörnern zusammengebaut ist und acht Töne hervorbringen kann.) Die Münchener Sektion des Reichsbanners verfügte neben der Schalmeienkapelle auch über eine herkömmliche Blaskapelle. Mit beiden Kapellen wurden neben sonstigen Anlässen auch die Maifeiern bis 1933 musikalisch umrahmt.


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