Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte des 1. Mai in München

1934: Lebhafte Heilrufe

Die gleichgeschaltete Presse berichtete enthusiastisch über diese Nazi-Maifeiern, wie ein erhalten gebliebener Bericht über die Feiern zum 1. Mai 1934 in München zeigt:


"Der 1. Mai in der Landeshauptstadt. Festlich geschmückte Straßen - Massenbeteiligung - Riesenfeuerwerk. Die große Idee der neuen deutschen Maifeier, die Arbeit wieder als Segen und nicht mehr als Fluch zu sehen, hat auch in der Landeshauptstadt freudigen Widerhall gefunden. Ein Meer von Fahnen wogte in den Straßen und frisches Grün leuchtete von ungezählten Häuserfronten. Der große Tag wurde am Montag Nachmittag angekündigt durch Umzüge von 20 Musikkapellen an der Spitze von HJ-Gefolgschaften. Den eigentlichen Auftakt zur Maifeier gab am Abend ein Riesenfeuerwerk auf der Theresienwiese. (...) Den Auftakt zur weltlichen Feier gab die Jugendkundgebung auf dem Königsplatz. (...) Inzwischen begann der ungeheure Aufmarsch zur nachmittäglichen Kundgebung auf der Theresienwiese. Schon ab 13 Uhr erfolgte der Einmarsch in neun Riesensäulen. 180.000 Menschen ergossen sich strahlenförmig aus der Stadt auf die Theresienwiese. ein besonders ergreifendes Bild war der Anmarsch von zehntausend Mitgliedern der NS-Kriegsopferversorgung. Die Riesenkolonnen der städtischen Betriebe wurden von Oberbürgermeister Fiehler persönlich geführt. Nach 14 Uhr erfolgte der Einmarsch hunderter von Fahnen der bürgerlichen Vereine, die sich im offenen Viereck der Ruhmeshalle gruppierten. Eine halbe Stunde später zogen die Chargierten aller studentischen Korporationen der Münchener Hochschulen mit ihren Bannern ein, um am Fuße der Säulen der Ruhmeshalle Aufstellung zu nehmen. Die unmittelbare Einleitung der Festkundgebung bildete um 15 Uhr der Einmarsch von NSBO, der NSKBO und der Fachschaften. Dem Zuge voraus ging Arbeits- dienst mit geschultertem Spaten. Die Fahnen nahmen an der Freitreppe zur Bavaria und an deren Sockel Aufstellung. Die eigentliche Kundgebung eröffnete eine Ansprache des mit lebhaften Heilrufen empfangenen Gauleiters und Staatsministers Adolf Wagner.


Er begrüßte vor über 200.000 Menschen die bayerische Staatsregierung mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze, die Vertreter der Wehrmacht, die hundert ältesten noch im Betrieb stehenden Arbeiter Münchens und all die Massen, die erschienen waren. Zum nationalen Feiertag des 1. Mai sagte der Minister, seit es eine deutsche Arbeiterbewegung gebe, sehne sich der deutsche Arbeiter nach Anerkennung und nach einem festlichen Feiertag. Darum begehe das Dritte Reich diesen Festtag so, wie es der deutschen Arbeiterschaft würdig sei. Der Ruf: Adolf Hitler Sieg Heil klang hunderttausendfach aus den Massen zurück. Dann begann die Übertragung der Rede des Führers auf der Kundgebung am Tempelhofer Feld in Berlin."


Gerade die letzten Zeilen verdeutlichen die Versuche der nationalsozialistischen Machthaber, um die Gunst der Arbeiterschaft zu werben. Dies war die eine Seite nationalsozialistischer Arbeitnehmerpolitik. Die andere bestand in Unterdrückung und Terror. Im  Zuge der Verfälschung des 1. Mai brachten die Nazis von 1933 bis 1939 auch eigene Maiabzeichen heraus, auf denen Arbeiter und Bauern symbolisch-stilisiert dargestellt waren. Besonders erwähnenswert ist hier das Abzeichen zum 1. Mai 1934, welches neben dem Reichsadler mit dem unvermeidbaren Hakenkreuz auch die kommunistischen Symbole Hammer und Sichel zeigt, ebenfalls ein Winkelzug, um die dem Regime ablehnend gegenüberstehenden Arbeiter zugewinnen. Außer diesen offiziellen Nazi-Maifeiern mit Teilnahmezwang gab es natürlich die sozialdemokratischen und kommunistischen Maifeiern im Untergrund. Sie fanden auch in München in Hinterzimmern von Kneipen oder in Wäldern am Stadtrand in kleinstem Kreise statt.


Mit Kriegsbeginn fanden die grosspurig aufgezogenen Maikundgebungen der Nazis ihr Ende. Der 1. Mai blieb zwar gesetzlicher Feiertag, die Malfeiern der Jahre 1940 - 1944 beschränkten sich jedoch auf kleinere Parteifeiern der NSDAP und innerbetriebliche Appelle.


Am 1. Mai 1945 befand sich das Dritte Reich in Agonie, sein "Führer" Adolf Hitler hatte bereits am Vortage Selbstmord begangen. Sein System überlebte ihn nur um wenige Tage.

Plakat der Nazis zum 1.Mai 1938

Plakat der Nazis zum 1.Mai 1938 Bayer. Hauptstaatsarchiv


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