Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte des 1. Mai in München

1890: Die Anfänge

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatte am 13. April 1890 die "Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands" zu Kundgebungen am 1. Mai aufgerufen. Die Arbeitsruhe wurde nicht als zwingende Notwendigkeit, wohl aber als wünschenswertes Ziel deklariert. Da das Sozialistengesetz noch immer in Kraft war, wurde mit besonderem Nachdruck vor jedweden Konfrontationen mit der Staatsmacht gewarnt. Eigene Ordner sollten den geordneten Ablauf der Veranstaltungen sicherstellen. Der Aufruf, am 1. Mai 1890 Kundgebungen für die Arbeiterinteressen zu veranstalten, wurde auch von der bayerischen Sozialdemokratie aufgegriffen. In zahlreichen bayerischen Städten fanden sich Komitees zusammen, welche die Vorbereitungen zur Durchführung der Feiern zum 1. Mai übernahmen.


In München wurden die eigentlichen Maifeiern nicht unter freiem Himmel abgehalten, sondern fanden in vier Gaststätten statt, die jeweils über einen großen Festsaal verfügten. Für die Aufteilung der Teilnehmer auf die vier Gaststätten war nicht ihr Wohnort innerhalb der Stadt, sondern ihre Berufs- bzw. Gewerkschaftszugehörigkeit maßgeblich. Die vier Maifeiern begannen um 9:00 Uhr bzw. 9:30 Uhr vormittags. Im "bürgerlichen Bräuhaus" (später Bürgerbräu) in der Rosenheimerstraße in Haidhausen versammelten sich die Arbeiter der Holz- bzw. Metallbranche. Die Arbeiter der Erd-, Stein- und der dekorativen Gewerbe trafen sich im Franziskaner-Keller in der Hochstraße, die der Leder- und der Papierbranche im "Gasthaus zur Lacke" in der Holzstraße nahe der Innenstadt, und die Schneider und sonstigen Arbeiter der Bekleidungsindustrie feierten den 1. Mai im Kreuzbräu, Brunnenstraße Nr. 7.


Die Versammlungen dauerten ungefähr 2 Stunden und bildeten den eigentlichen politischen Teil des 1. Mai 1890 in München. Die übrigen Programmpunkte dienten dagegen mehr dem Vergnügen und der Erholung. Für 13:00 Uhr waren Ausflüge in die nähere Umgebung Münchens vorgesehen, wobei die Ausflugsziele wiederum nach Berufszugehörigkeit ausgewählt worden waren. Für die Arbeiter des Erd-, Stein- und des dekorativen Gewerbes war die Harlachinger Menterschwaige, ein Ausflugslokal mit Biergarten, vorgesehen, während die übrigen Arbeiter ähnliche Lokalitäten in Holzapfelkreuth (Holz- und Metallbranche) bzw. in Thalkirchen auf dem Isarhochufer (Leder- und Papierbranche) aufsuchten. Die Rückkehr der Ausflügler war zwischen 18:00 und 20:00 Uhr angesetzt. Für die Abendstunden ab 20:00 Uhr waren "Familienunterhaltungen" vorgesehen, welche wiederum in denselben Gaststätten wie die Vormittagsmanifestationen stattfanden. Daran konnten sich auch diejenigen Arbeiter beteiligen, denen eine Teilnahme an den vorhergehenden Veranstaltungen nicht möglich gewesen war.

Spottlgedicht

Spottgedicht auf die Reaktion der Obrigkeit zu den 1.Maifeiern
Archiv der Münchner Arbeiterbewegung


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