Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte des 1. Mai in München

1945: Maifeiern

Der 1. Mai 1945 bedeutete für München das endgültige Ende von Krieg und Diktatur. Nachdem die Stadt am Vortage nach kurzem Kampf in Schwabing von amerikanischen Truppen besetzt worden war, fielen ihnen am 1. Mai die östlichen Vorstädte Au, Giesing und Haidhausen sowie die äußeren Stadtbezirke Berg am Laim, Trudering und Perlach in die Hand. Maifeiern in der befreiten Stadt unterblieben allerdings, da die US-Militärverwaltung sofort jedwelche Art von Massenversammlungen verbot und eine abendliche Ausgangssperre verhängte. Noch 1945 erteilte die amerikanische Besatzungsmacht die ersten Lizenzen für politische Parteien. Die Arbeiterparteien SPD und KPD konstituierten sich wieder unter ihrem alten Namen. Die bürgerlichen Kräfte organisierten sich in neuen Parteien, der CSU und der FDP nebst anderen kleineren Parteien.


Am 1. Mai 1945 fanden in Deutschland die ersten großangelegten freien Maikundgebungen seit 1932 statt. Auch in München wurde erstmals seit dem Ende der Diktatur wieder eine freie Maifeier begangen. Generell waren Umzüge und Paraden nach wie vor durch die amerikanische Militärregierung verboten, eine Zulassung der Maidemonstration konnte aber dennoch erwirkt werden. So veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft Freier Münchner Gewerkschaften auf der Theresienwiese eine Maikundgebung, an der ca. 60.000 Menschen teilnahmen. Der Gewerkschafter und Stadtrat Gustav Schiefer nannte in seiner Rede als Hauptforderungen die Wiederherstellung der Rechte der Betriebsräte, eine grundlegende Reform der Sozialversicherung, Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaften in der Wirtschaft, Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung, Einhaltung des achtstündigen Arbeitstages und Einführung der 35-Stunden-Woche.


Die SPD veranstaltete im Anschluss an die Maikundgebung in elf Stadtteilen Maifeiern mit Kabarett, Tanz und geselligem Beisammensein. Der 1. Mai wurde 1946 in ganz Deutschland als ein gesetzlich geschützter Feiertag anerkannt. Die schlechte Ernährungslage war das Hauptthema auf der Maikundgebung von 1947 auf der Theresienwiese, der ungefähr 20.000 Menschen beiwohnten. Hauptredner war wiederum der Vorsitzende der Bayerischen Gewerkschaften, Schiefer.


Ab dem 1. Mai 1948 gab der Königsplatz die Kulisse für die Maikundgebungen der nächsten Jahrzehnte ab. Die Kundgebung, die von rund 60.000 Menschen besucht wurde, stand unter den Leitmotiven Völkerfrieden, Völkerverständigung, soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Menschenrechte und Schutz der Arbeitskraft. Durch die Einziehung aller weltanschaulichen Richtungen der Gewerkschaftsbewegung in die Einheitsgewerkschaft - eine notwendige Konsequenz der organisierten Arbeiterschaft aus der Niederlage von 1933, die auch auf die eigene Zersplitterung zurückzuführen war - waren nun ausschließlich die Gewerkschaften des Bayerischen Gewerkschaftsbundes die Veranstalter der großen Maikundgebung. Am Nachmittag oder gegen Abend feierten die Arbeiterparteien und Kulturorganisationen. Allerdings wurden viele Verbände und Vereine der alten Arbeiterkultur- und -sportbewegung, die vor 1933 die Maifeiern mit Leben erfüllten, nicht mehr reaktiviert.


Vom 12. bis 14. Oktober 1949 wurde in München Gewerkschaftsgeschichte geschrieben. Die Industriegewerkschaften der gesamten, nur wenige Wochen zuvor gegründeten Bundesrepublik Deutschland schlossen sich im Kongresssaal des Deutschen Museums zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) , zusammen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Hans Böckler gewählt.

Zu den Demonstrationen in den ausgehenden 40er und beginnenden 50er Jahren trafen sich die Belegschaften großer Betriebe frühzeitig an ihren Arbeitsplätzen, um dann im geschlossenen Block zur Kundgebung zu gehen. Auch die Gewerkschaftsjugend marschierte, rote Fahnen schwingend, an.

Viele der Gründungsmitglieder waren während der Hitlerdiktatur verfolgt bzw. im Widerstand, so Ludwig Koch (*03.06.1909 - 12.09.2002), zunächst Jugendsekretär und später Kreisvorsitzender von München (1953-1973), Ludwig Linsert, zunächst Kreis-, später Landesbezirksvorsitzender und der spätere Münchener Oberbürgermeister Thomas Wimmer.


Während der fünfziger Jahre verschärften sich die sozialen Spannungen im Zuge des Wirtschaftswunders. Die Maifeiern dieser Jahre waren von dem Anliegen gekennzeichnet, die Fünftagewoche durchzusetzen und die sich abzeichnende Wiederbewaffnung zu verhindern.

Gewerkschaftszeitung

Gewerkschaftszeitung
der Bayer. Gewerkschaften
Ausgabe April 1948

Sammlung Gerstenberg


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