Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte des 1. Mai in München

1933: Nationalsozialistische Verfälschung des 1. Mai

Reichstagspräsident Paul Löbe

Reichstagspräsident Paul Löbe, Maifeier 1932 vor dem Eingang des Bürgerbräukellers

Archiv der Münchner Arbeiterbewegung

Die Nazis erklärten den 1. Mai 1933 im gesamten Reich zum gesetzlichen Feiertag, zum "Ehrentag der Nationalen Arbeit". Der seit 1889/90 bestehende internationale Kampftag der werktätigen wurden von den Nazis zum "Nationalen Feiertag des Deutschen Volkes" verfälscht. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB), zu dem sich die Freien Gewerkschaften zu Beginn der Weimarer Republik zusammengeschlossen hatten, rief 1933 seine Mitglieder dazu auf, an den von der nationalsozialistischen Regierung veranstalteten Maifeiern teilzunehmen. Dies geschah in der Hoffnung, die Gewerkschaften auch unter den Bedingungen des Faschismus als legale Organisationen erhalten zu können. Diese Hoffnung erwies sich bereits am 2. Mai 1933 als Illusion. SA-Trupps besetzten die Gewerkschaftshäuser und verhafteten Mitarbeiter und Funktionäre des ADGB oder entfernten sie zumindest aus ihrem Amt.


Die Maiaufmärsche waren schon immer in mustergültiger Ordnung abgehalten worden. Die Aufrufe auf den Plakaten der Weimarer Republik "Wahrt strengste Disziplin" wurde so zur zweiten Natur der Arbeiterschaft. Als die SA bereits am 9. März 1935 vorübergehend das Münchner Gewerkschaftshaus besetzte, standen zwar viele Hunderte kampfbereite und teilweise bewaffnete Arbeiter vor dem Gebäude, sie griffen jedoch nicht ein - die Gewerkschafts- und SPD-Führung hatte die Parole vom unbedingten Prinzip der Gewaltfreiheit und Legalität ausgegeben, und man "wahrte strengste Disziplin". Am 2. Mai 1933 zerschlugen die Nazis auch in München die im ADGB zusammengeschlossenen Freien Gewerkschaften endgültig und besiegelten damit das Ende der organisierten Arbeiterbewegung.


Das Vermögen des ADGB wie auch das der am 24. Juni 1933 verbotenen christlichen Gewerkschaften wurde der im Mai d.J. geschaffenen nazistischen Deutschen Arbeitsfront (DAF) zugeschlagen. (DAF - Zwangsweiser Zusammenschluss von Arbeitgebern und Arbeitnehmern unter zunehmender Beschneidung der Rechte letzterer.) Das Verbot von SPD und Arbeiterwohlfahrt im Sommer 1933 beseitigte die letzten Organisationen der Arbeiterbewegung.


Die "Feiern" der Nazis zum 1. Mai 1933 wie auch in den folgenden Jahren unterschieden sich grundsätzlich von den bisher gewohnten Maifeiern der Arbeiterbewegung. Die öffentlichen und betrieblichen protzig aufgezogenen Massenaufmärsche wurden unter dem Schutz von SA und SS durchgeführt, wobei nun nicht mehr Forderungen der Arbeiterbewegung formuliert, sondern Propagandareden zur Stabilisierung des Führerstaates und seiner Verankerung in der Bevölkerung geschwungen wurden. Dabei gaukelten die Nazis den Arbeitern vor, ihre Interessen nicht nur anzuerkennen, sondern sie sogar zu fördern. Die Teilnahme an dieser nationalsozialistischen Farce war verpflichtend, wobei sich alle Arbeitnehmer wie jeden Tag morgens in ihren Betrieben einzufinden, ihre Karte in die Stechuhr zu stecken oder ihre Kontrollmarken abzugeben hatten, die sie erst bei den Hauptveranstaltungen auf dem Königsplatz oder auf der Theresienwiese zurückerhielten. Jedes Fernbleiben konnte damit registriert und meist geahndet werden.


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