Deutscher Gewerkschaftsbund

09.01.2013

Ausbildungsreport 2012

Die ersten 4 Monate sind geschafft, die Probezeit erfolgreich bestanden –  Der Ausbildungsreport 2012 zeigt die Ausbildungssituation von Auszubildenden in Deutschland

Im September 2012 hat wieder ein neues Ausbildungsjahr begonnen und damit für viele junge Menschen ein neuer und spannender Lebensabschnitt. Jetzt im neuen Jahr haben die meisten Auszubildenden bereits die erste Hürde erfolgreich gemeistert – die viermonatige Probezeit ist rum. Mit bestandener Probezeit haben sie nun mehr Arbeitsplatzsicherheit und sind einem erfolgreichen Berufsausbildungsabschluss einen Schritt näher. Sie können nun nur noch aufgrund schwerwiegender Pflichtverstöße gekündigt werden. Obwohl die Probezeit beiden Seiten die Möglichkeit bieten soll, sich gegenseitig zu „beschnuppern“, kommt es häufig auch noch nach erfolgreich bestandener Probezeit zu Problemen und Konflikten. Damit Auszubildende diese Konflikte bestmöglich vorbeugen und ihr Ausbildungsziel erfolgreich erreichen können, sollten sie spätestens mit Ablauf der Probezeit ihre Rechte und Pflichten in der Ausbildung kennen und auch einfordern. Immer wieder kommt es auch noch nach der Probezeit zu unnötigen Ausbildungsabbrüchen, weil Auszubildende auf mangelhafte Ausbildungsbedingungen nicht schnell genug reagieren, zu wenig über ihre Rechte Bescheid wissen und nach anfänglichem „Zähne zusammenbeißen“  nicht mehr die nötige Kraft bis zum Ende ihrer Ausbildungszeit haben. Auszubildende, die ihre Ausbildung abbrechen oder den Betrieb wechseln, beklagen sich häufig über schlechte Anleitung, ausbildungsfremde Tätigkeiten, Schwierigkeiten mit der Anrechnung des Berufsschulunterrichts, unbezahlte Überstunden und Probleme mit der Urlaubsplanung.

Um die tatsächliche Ausbildungssituation von Auszubildenden aufzudecken, befragt der DGB Auszubildende aus der gesamten Bundesrepublik über ihre Zufriedenheit am Ausbildungsplatz und veröffentlich die Ergebnisse jährlich in seinem DGB-Ausbildungsreport. Laut Ingrid Sehrbrock, Stellvertretende DGB-Vorsitzende zeigt der DGB-Ausbildungsreport, in welchen Branchen die Auszubildenden gut betreut werden und wo fachliche Anleitung fehlt. Sie erklärt, dass der Report den jungen Menschen als Orientierungshilfe dienen soll, um sich auf dem Ausbildungsmarkt besser zurechtzufinden. Für die repräsentative Befragung wurden im diesem Jahr 2012 12.039 Auszubildende aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt. Damit haben über 2.500 Menschen mehr teilgenommen als im vergangenen Jahr. Es wird die Qualität der Ausbildung anhand verschiedener Kriterien untersucht, wie zum Beispiel den Arbeitszeiten, der Vergütung und der fachliche Anleitung. Die Ergebnisse belegen, dass sich die Ausbildungsqualität im Vergleich zum Vorjahr trotz des von den Betrieben beklagten Fachkräftemangels nicht verbessert, sondern eher verschlechtert hat. Der Ausbildungsreport spiegelt zusammengefasst folgende Ausbildungssituation wieder:

Ausbildungszufriedenheit im Branchenvergleich:
Die größten Probleme haben Auszubildende nach wie vor im Gastgewerbe. Dies ließ sich im Ranking der 25 häufigsten Ausbildungsberufe ermitteln. Die besten Beurteilungen für die Qualität der eigenen Ausbildung gab es erneut von angehenden Bank- und Industriekaufleuten sowie Mechatroniker und Mechatronikerinnen. Auf den letzten drei Rängen sind wie im Vorjahr die Ausbildungsgänge für Fachverkäufer und Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk, Restaurant- und Hotelfachleute gelandet. Die rote Laterne bleibt damit beim Hotel- und Gaststättengewerbe. Dementsprechend hoch sind dort auch die Abbruchquote sowie der Anteil an unbesetzten Stellen. So wird zum Beispiel bei Restaurantfachleuten fast jeder zweite Ausbildungsvertrag (47,6 Prozent) vorzeitig aufgelöst und ein Viertel der Ausbildungsplätze ist nicht besetzt. Der DGB sieht eindeutig einen Zusammenhang zwischen der schlechten Ausbildungsqualität und der Abbruchquote sowie dem Bewerbermangel. Der Anteil der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden leisten müssen, ist gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen, von 40,6 Prozent in 2011 auf 38,1 Prozent in diesem Jahr. Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben erhält fast jeder Fünfte weder einen Freizeitausgleich noch eine entsprechende Vergütung für die geleisteten Überstunden.

Ausbildungsvermittlung:
Jede/r zehnte Auszubildende (10,8 Prozent) ist der Meinung, regelmäßig und häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten zu müssen. Hier ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (9,8 Prozent) zu verzeichnen. Auch die fachliche Anleitung und Betreuung durch einen Ausbilder oder eine Ausbilderin wird bemängelt. Fast jeder oder jede zehnte Befragte hat gar keine Ausbilderin bzw. Ausbilder (8,2 Prozent), bei weiteren 10,1 Prozent steht der Ausbilder bzw. die Ausbilderin selten oder nie zur Verfügung.

Schlechtere Bedingungen in weiblich dominierten Berufen:
Nach wie vor gibt es auffällige geschlechterspezifische Unterschiede in der Ausbildung. Männer haben oft bessere Ausbildungsbedingungen als Frauen. Noch immer entscheiden sich Frauen und Männer für unterschiedliche Ausbildungen. Zu den „Männerberufen“ gehören unter anderem Metallbauer, Anlagenmechaniker und Elektroniker, Frauen entscheiden sich häufiger für eine Ausbildung zur Friseurin, Kauffrau für Bürokommunikation oder zur Medizinischen Fachangestellten.

Das hat Folgen für die finanzielle Situation vieler weiblicher Auszubildenden, denn klassischen Frauenberufe sind immer noch erheblich schlechter bezahlt als andere Berufssparten. Während männliche Auszubildende im Durchschnitt 721 Euro (West) und 658 Euro (Ost) verdienten, erhielten weibliche Auszubildende durchschnittlich 688 Euro (West) und 614 Euro (Ost). Auch leisten Auszubildende in den weiblich dominierten Berufen nach wie vor die meisten Überstunden, der Unterschied zu den männlich dominierten Berufen ist aber geringer ausgefallen als im Vorjahr (2012: 38,4 zu 36,3 Prozent, 2011: 44,2 zu 36,9 Prozent). Beim Überstundenausgleich zeigen sich aber erhebliche Unterschiede. In den von Männern bevorzugten Ausbildungsberufen erhalten drei von vier Azubis (74,9 Prozent) einen Freizeitausgleich oder einen entsprechenden finanziellen Ausgleich, bei den „Frauenberufen“ sind es lediglich 60 Prozent.


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