Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte des 1. Mai in München

1914: Krieg!

Einladung zur Maifeier des Freidenkervereins

Anzeige in der Münchner Post

Genau ein Vierteljahr nach dem 1. Mai 1914 setzte der Beginn des I. Weltkrieges allen internationalistisch geprägten Aktionen der Arbeiterbewegung ein vorläufiges Ende. Die meisten der sozialistischen oder sozialdemokratischen Parteien sowie Führer der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion bewilligte am 4. August 1914 unter der Bedingung, einen reinen Verteidigungskrieg zu führen, im Reichstag die Kriegskredite. Die mit der Sozialdemokratie in enger Fühlung stehende Generalkommission der Freien Gewerkschaften begann ohne zwingende Notwendigkeit ihre Unterstützungspolitik gegenüber der Reichsregierung bereits zwei Tage früher, indem sie sämtliche in Gang befindlichen Streiks abbrach. Weite Teile des Volkes, nicht aber der Arbeiterschaft, waren von der anfänglichen allgemeinen Kriegsbegeisterung mitgerissen worden. Diese Begeisterung wich jedoch bald einer Ernüchterung, die sich nach und nach in Verbitterung wandeln sollte.


Der Maifeiergedanke hingegen schien nach einem Vierteljahrhundert seines Bestehens der Vergangenheit anzugehören. Dennoch war er am ersten Maifeiertag, der in Kriegszeiten fiel, nicht gänzlich verschwunden. Die Münchener Sozialdemokratie gab zwar keine Losungen und politischen Parolen zum 1. Mai heraus, ihre einzelnen Sektionen riefen aber zu zwar eher unpolitischen, gemütlichen Treffs oder allgemeinen Mitgliederversammlungen auf, um den 1. Mai 1915 so doch wenigstens in irgendeiner Form zu begehen.


Ihr Organ Münchner Post hingegen brachte sogar einen Artikel über den 1. Mai, in welchem die Idee des 1. Mai durchaus hochgehalten, in etwas anklagender Form aber die Unfähigkeit der sozialistischen Parteien der gegnerischen Länder, vor allem Frankreich, den Krieg zu verhindern, bemängelt wurde. Der Grundton dieses Artikels wandte sich zwar einerseits gegen den Krieg, von einer eigenen Mitschuld der deutschen Sozialdemokratie war darin hingegen keine Rede. Während des Krieges kam es in ganz Deutschland zu keiner Maidemonstration, allenfalls zu kleineren Saalveranstaltungen oder zu geheimen Feiern. Die einzige Ausnahme war die in Berlin von dem die Kriegsunterstützungspolitik der SPD ablehnenden linkssozialistischen Reichstagsabgeordneten Karl Liebknecht veranstaltete illegale Demonstration am 1. Mai 1916, die mit seiner Verhaftung endete. Erst unter dem Eindruck der beiden russischen Revolutionen 1917 und des großen Januarstreiks 1918 in Deutschland und Osterreich, aber auch angesichts des immer absurder werdenden Völkermordens fanden 1918 in München, trotz des immer noch fortdauernden Krieges, wieder Maifeiern im alten Stil in mehreren Lokalen statt auf welchen politische Forderungen, vor allem nach rascher Beendigung des Krieges, erhoben wurden. Auch die Münchner Post bekannte sich wieder zum Maifeiergedanken.


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