Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte des 1. Mai in München

1899: Sackhüpfen und Eierlaufen

Der 1. Mai war eines der wichtigsten Mittel der Arbeiterschaft in ihrem Kampf um mehr soziale Gerechtigkeit. Auch in München hatten die Feiern zum 1. Mai bis 1914 drei Hauptakzente: 

  • Die Forderung nach dem Achtstundentag,
  • das Eintreten für den Frieden und
  • das Bekenntnis zum internationalen Charakter der Arbeiterbewegung.

In den Jahren nach 1890 war die Waldgaststätte Holzapfelkreuth der zentrale Veranstaltungsort der Maifeiern von Sozialdemokratie und Freien Gewerkschaften. Der Antrag an die Ordnungsbehörde zwecks Ausrichtung der Maifeier 1899 zeigt auch den gesellschaftlichunterhaltsamen Aspekt der Maifeiern:


"Der Unterzeichnete zeigt hiermit an, dass die diesjährige Maifestkornmission, bestehend aus den Herrn K. Billard, K. Knieriem, A. Neubauer, J. Adriney, Rüster, P. Hart und O. Kästner mich zu ihrem Vorsitzenden gewählt hat. Die Maifeier findet in Holzapfelkreuth statt, am ersten schönen Sonntag im Mai und ist vorerst der 7. Mai in Aussicht genommen; als Programm ist vorläufig festgestellt: Anmarsch mit Musik nach dem Festplatz vom Sendlingerthorplatz aus durch die Nußbaumstraße Mittags 1/2 1 Uhr, für Unterhaltung auf dem Festplatze ist projektirt "Conzert", Gesang, Tanz, Kreis- und Kegelscheiben, "Tauben" und Adlerstechen, Sackhüpfen, Hochenschlagen, Eierlaufen, Wettlaufen, Walzenrutschen und turnerische Aufführungen. Schluß des Festes mit eintretender Dunkelheit. Um die Genehmigung einer hohen Kgl. Polizeidirektion ersucht Hochachtungsvoll Ottomar Kästner, Lindwurmstraße 11."


Der Brauch, am Schluss des Maifestes auf dem Rückmarsch mit den roten Lampions bis zu den ersten Häuserzeilen der Stadt zu ziehen, wurde nach 1890 weiter gepflegt. Bemerkenswert ist bei genannter Maifeier von 1899, dass sie nicht am 1. Mai, sondern für den ersten Sonntag im Mai anberaumt war.


Anders als heute, wo der 1. Mai jedes Jahr unter einem bestimmten Motto begangen wird, stand er in den Jahren vor 1914 unter dem allgemein gefassten Begriff Weltfest der Arbeit. Unter diesem Motto wurde auch der 1. Mai 1900 in Holzapfelkreuth gefeiert, wobei diese Feier die erste "Jubiläumsfeier" war: das zehnjährige Bestehen des 1. Mai als internationaler Arbeiterkampf- und Feiertag. Großangelegte Maifeiern und auch andere politische Versammlungen (z.B. Streikversammlungen) sowie Feste der Münchener Arbeiterschaft wurden auch im Haidhauser "Münchener-Kindl-Keller" (heute Standort des Forum-Hotels) abgehalten, dem damals größten Versammlungssaal der Landeshauptstadt.

Plakat zur 1.Mai-Feier 1906

LH München, Stadtarchiv, Plakatesammlung


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