Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte des 1. Mai in München

1919: Blutige Schlacht um München

Geschütz vor dem Sendlinger Tor, 1.Mai 1919, Postkarte

Geschütz vor dem Sendlinger Tor, 1.Mai 1919, Postkarte Sammlung Gerstenberg

Die niedergeschriebenen Erlebnisberichte eines Teilnehmers an diesen Kämpfen (Max Schwaiger) in den Reihen der Münchener Roten Armee liefern ein lebendiges Bild der damaligen dramatischen Geschehnisse:


"Starker Kanonendonner von Norden, Nordwesten und Osten leitete die Kampfhandlungen am Morgen des 1. Mai ein. Die Stellungen nördlich der Stadt, von den Arbeitern verschiedener Großbetriebe zäh gegen eine sechs- bis achtfache Übermacht verteidigt, wurden gegen 11 Uhr durchbrochen. Die Arbeiter zogen sich heldenhaft kämpfend nach der Innenstadt zurück... In den engen Straßen der Innenstadt entwickelte sich ein zäher, verbissener Kampf um jedes Gebäude, besonders um die Matthäuskirche in der Sonnenstraße, die den Hauptzugang zu den südlichen Stadtteilen verriegelte. Diese Stellung fiel erst in den späten Abendstunden und veranlaßte unseren Rückzug auf die südlichen Stadtteile. Die Isarübergänge nach den Städten Au, Unter- und Obergiesing befanden sich noch in der Hand der Roten Armee. Ebenso war die Kampfstellung im Westen noch stark. Am nächsten Tag entflammten die Kämpfe noch einmal mit größter Erbitterung und ermöglichten den Weißen erst am Nachmittag ein schrittweises Vordringen in Ober- und Mittersendling und Thalkirchen. Meine Gruppe zog sich kämpfend hinter den Bahndamm am Südbahnhof zurück. Da am Mittag des 1. Mai das Zeughaus, Munitions- und Artilleriedepot, den Weißen in die Hände fiel, war der Munitionsnachschub für die Rote Armee unterbunden. Auch wir hatten schon am 2. Mai den ganzen Tag bei der Verteidigung mit Munition sparen müssen, um den Bahndamm bis zur Dunkelheit halten zu können. Nach Abschuss der letzten Patrone blieb uns nichts weiteres übrig, als die Stellung in der Nacht aufzugeben..."


An der militärischen Niederlage der die Münchener Räterepublik verteidigenden Soldaten und Arbeiter konnten auch die erbitterten Straßenkämpfe nichts mehr ändern. Sie war bereits mit der Räumung Dachaus besiegelt. Dennoch leisteten die besten Einheiten der Roten Armee bis zum 3. Mai heldenhaften Widerstand, ehe auch sie der weißen Übermacht unterlagen. In Giesing, dessen Bevölkerung praktisch geschlossen hinter der Rätemacht stand, gelang es wenigen verzweifelt-kühnen Arbeitern sogar noch einige Tage länger, ihre Wohnviertel vor dem ungehemmten Zugriff der Freikorpssoldateska zu bewahren. Außerhalb Münchens fanden die heftigsten Kämpfe in Rosenheim und in Kolbermoor statt, wo sich bewaffnete Arbeiter ebenfalls drei Tage lang gegen weit Überlegene militärische Formationen halten konnten. In den Tagen nach dem Zusammenbruch der Münchener Räterepublik am 3. Mai 1919 war die Bevölkerung einem hemmungslosen Terrorregiment der Regierungstruppen und vor allem der Freikorpssöldlinge ausgesetzt, das Hunderte von Menschenleben, auch von am politischen Geschehen ganz und gar Unbeteiligten, forderte. Diese tragischen Ereignisse besiegelten das Ende der revolutionären Erneuerungsversuche zwischen November 1918 und Mai 1919. Für die Münchener Arbeiterbewegung, aber auch für die ganz Deutschlands, bedeutete das blutige Ende der Münchener Räterepublik eine eindeutige und schmerzliche Niederlage und zugleich die dadurch endgültig besiegelte Spaltung.


Diese Spaltung sollte später, durch politische Fehler sowohl der SPD, als auch der KPD, mit zum Verhängnis von 1933 beitragen.


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