Deutscher Gewerkschaftsbund

09.01.2013

Urlaubsanspruch von Azubis

Welche besonderen Rechte haben Azubis bei der Urlaubsplanung?

Urlaubssperre/ Wartezeit:
Auszubildende haben wie jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin für jedes Kalenderjahr einen gesetzlichen Anspruch auf einen Erholungsurlaub. Diesen können sie aber in den meisten Fällen zu Beginn ihrer Ausbildung während der Probezeit und darüber hinaus noch nicht in Anspruch nehmen, da Betriebe in der Regel eine sechsmonatige Urlaubssperre verhängen. Da das erste Ausbildungsjahr üblicherweise erst im letzten Quartal eines Jahres beginnt, haben die Auszubildenden in diesem Kalenderjahr nur einen Anspruch auf ein zwölftel des Jahresurlaubs für jeden Ausbildungsmonat. Azubis, die ihre Ausbildung vor dem oder spätestens am 1. Juli beginnen, haben einen Anspruch auf den vollen Jahresurlaub. Urlaub für ein Kalenderjahr, der während der Wartezeit/Urlaubssperre nicht genommen werden konnte, darf nicht verfallen. Auszubildende sollten einen formlosen Antrag stellen, mit dem sie den Urlaub auf das nächste Kalenderjahr übertragen. Dieser Resturlaub muss dann spätestens bis zum 31. März verbraucht werden. Sonst verfällt der Urlaubsanspruch.

Urlaubsanspruch:
Nicht selten gibt es Uneinigkeit um die richtige Urlaubsplanung im Betrieb. Deshalb ist es wichtig, dass Auszubildende ihre Rechte und Pflichten in Bezug auf die Urlaubsregelung kennen und möglichst zu Beginn eines jeden Kalenderjahres ihre Urlaubsplanung mit den Vorgesetzten besprechen. Der gesetzliche Mindesturlaub ist für Jugendliche im Jugendarbeitsschutzgesetz und für Erwachsene im Bundesurlaubsgesetz festgelegt. Ob es andere, tarifliche Vereinbarungen (z.B. mehr Urlaubstage) gibt, erfährt man bei der zuständigen Gewerkschaft. Der Mindesturlaub beträgt nach § 19 Abs. 2 JArbSchG jährlich:

  • mindestens 30 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre alt ist;
  • mindestens 27 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre alt ist;
  • mindesten 25 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre alt ist.

Der Jugendliche erhält für das Kalenderjahr, in dem er 18 Jahre alt wird, noch Urlaub nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz. Bei Azubis, die zu Anfang des Kalenderjahres bereits 18 Jahre alt sind, richtet sich der Urlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz. Der gesetzliche Mindestanspruch für Erwachsene beträgt 24 Werktage im Jahr.

Urlaubsplanung / Zeitpunkt des Urlaubs:
Der bzw. die Auszubildende und der Ausbilder oder die Ausbilderin müssen sich über den Zeitpunkt des Urlaubs einigen. Bei der Urlaubsplanung von Auszubildenden müssen der Ausbildungsablauf und die Berufsschulzeiten berücksichtigt werden. Während der Berufsschulzeiten ist Urlaub nur in Ausnahmefällen möglich. Wenn der Urlaub nicht in den Berufsschulferien gewährt wird, muss der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin für jeden Berufsschultag, an dem die Berufsschule während des Urlaubs besucht wird, einen weiteren Urlaubstag gewähren und zwar auch dann, wenn die Unterrichtszeit weniger Stunden als die vertraglich festgelegte tägliche Arbeitszeit ist.      
Der Urlaubsantrag von Auszubildenden darf nur in besonderen Fällen abgelehnt werden (z.B. Betriebsferien, Urlaubsansprüche anderer Auszubildender, Urlaubsanträge von Mitarbeitern bzw. Mitarbeiterinnen mit Kindern im Schulalter). Außerdem dürfen Vorgesetzte eine bereits feststehende Urlaubsgewährung nicht einseitig widerrufen. Nur in Notfällen, also bei unvorhergesehenen und unabwendbaren Umständen, darf der oder die Vorgesetzte an die Treuepflicht appellieren und Urlaub absagen.

Mitspracherecht der Jugend- und Auszubildendenvertretung:
Gibt es in einem Betrieb eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV), genießen diese bei der betrieblichen Urlaubsplanung ein besonderes Mitbestimmungsrecht. Das Mitspracherecht umfasst die Mitbestimmung des Urlaubstermins, die Erstellung eines Urlaubsplans und auf die Aufstellung allgemeiner Urlaubsgrundsätze.

Dieses Recht lässt sich aus dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) §§ 65–68 in Verbindung mit den §§ 33 und 87 Abs. 1 Ziffer 5 BetrVG bzw. durch das Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG) die §§ 61 und 62 in Verbindung mit §§ 39 und 75 Abs. 3 Ziffer 3 (vgl. entsprechende Regelungen in den Landespersonalvertretungsgesetzen) ableiten.

Krankheit im Urlaub
Werden Auszubildende während des Urlaubs krank, werden die Krankheitstage nicht als  Urlaub angerechnet. Voraussetzung ist ein ärztliches Attest, das die Arbeitsunfähigkeit nachweist. Die Urlaubstage können dann zu einem andern Zeitpunkt nachgeholt werden. Die arbeitsunfähigen Tage dürfen also nicht einfach an den bereits vereinbarten Urlaub angehängt werden. Das gilt auch, wenn die Erkrankung bereits vor Urlaubsantritt eingetreten ist. Arbeitgeber und Ausbildende müssen sich auf einen neuen Urlaubszeitpunkt einigen.

Diese Ausführungen bieten einen ersten Überblick. Sollten sich weitere Fragen zu diesen Themen ergeben, einfach bei der zuständigen JAV, Gewerkschaft oder bei azuro nachfragen!


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