Deutscher Gewerkschaftsbund

Geschichte des 1. Mai in München

1994 - 1997: Der 1.Mai in München ...

1. Mai1994

Mit seinen unterschiedlichen Kulturangeboten an verschiedenen Spielorten ist der 1. Mai inzwischen zu einer festen kulturellen Institution geworden.

Mit vergilbten, eingestaubten roten Fahnen ziehen Grüppchen verhärmter Traditionalisten zum Marienplatz. Dort sammeln sich alljährlich wider besseren Wissens greise Exoten, lauschen andächtig den markigen Worten der Gewerkschaftsführer, beschwören den Untergang des Kapitalismus und loben die Heilkraft der Solidarität. Höhepunkt und gleichzeitiger Abschluß des Spektakels ist ein Kultgesang aus alten Zeiten. – So, oder zumindest ähnlich, sieht das veröffentlichte Bild der Medien über den 1. Mai aus.

Die Realität ist eine andere:

Buntes Treiben rund um den Marienplatz, Demonstration, Manifestation, Kultur und Information für jede Altersschicht, Tanzen, Ratschen, Feiern – eben kein Widerspruch. All dies hat seinen Raum am 1. Mai. So bunt und vielfältig wie unsere Mitgliedschaft, so lebendig ist auch das Programm des Kulturfestes. Die neun Jahre zurückliegende Entscheidung des DGB, angesichts sinkender Teilnehmerzahlen die Demonstration und die Kundgebung mit einem Familien- bzw. einem Kulturfest zu verbinden, ist aufgegangen. Ein Beweis dafür sind die ständig steigenden Besucherzahlen. Im Gegensatz zum bundesweiten Trend kommen in München von Jahr zu Jahr mehr Menschen am 1. Mai – übrigens viele mit einer neu gestalteten Mai-Nelke, die gleichzeitig als MVV-Freifahrschein dient. Mit seinen unterschiedlichen Kulturangeboten an verschiedenen Spielorten ist der 1. Mai inzwischen zu einer festen kulturellen Institution geworden.

Das ursprüngliche Konzept wurde im Lauf der Jahre immer wieder überarbeitet. Ein sichtbares Zeichen: die Verlegung des Kulturfestes vom Sankt-Jakobs-Platz in den Marienhof 1995, die aus statischen Gründen notwendig geworden war und gleichzeitig als Anstoß zur Überarbeitung der 1.-Mai-Planungen diente. Im Mittelpunkt stand die Idee, auf dem Marienplatz eine große, technisch hervorragend ausgestattete Bühne - sowohl für die Kundgebung als auch für das kulturelle Hauptprogramm -zu nutzen. Durch die räumliche Nähe zum Marienhof und zum Rathaus-Innenhof, den die Stadtverwaltung aufgrund der Unterstützung durch den Oberbürgermeister an diesem Tag zur Verfügung stellt, konnten die Spielorte noch attraktiver gestaltet werden. Die Fläche des Infomarktes, der am Sankt-Jakobs-Platz schon am äußersten Rand der Kapazitäten angelangt war, konnte im neuen Konzept auf dem Marienhof besser gestaltet werden.

Seit 1996 veranstaltet die DGB-Jugend im Rahmen ihrer Fun-for-free-Reihe von 18 bis 22 Uhr auf dem Marienplatz ein Open-air. Es ist schon beeindruckend, wenn sich in der „guten Stube“ Münchens 15.000 Menschen friedlich zu einem gigantischen Jugend-Happening treffen.

Der 1. Mai ist inzwischen das wohl größte nichtkommerzielle Musik- und Kulturfest in Münchens Innenstadt. Trotz der jeweils fast einjährigen Vorbereitungszeiten für die Maiveranstaltungen und trotz des teilweise heftigen Widerstandes des Kreisverwaltungsreferates ist es uns mit dem 1. Mai gelungen, den sogenannten Erneuerungs- und Modernisierungsprozeß – ein neues Bild der Gewerkschaften – in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der 1. Mai in München war und ist unser Aushängeschild, Zeichen und Symbol für eine offene Gewerkschaftskultur, die in der Lage ist, den gewandelten Bedürfnissen unserer Mitglieder Rechnung zu tragen.

Durch die ständige Weiterentwicklung und Ergänzung der Konzeption haben wir neue Maßstäbe des Veranstaltungsdesigns und der gesamten Präsentation gesetzt, die bundesweit beachtet werden. Viele andere Organisationen haben von unserem Know-how partizipiert und Veranstaltungsformen adaptiert. Auch in unsere eigene Arbeit sind die Erfahrungen aus unseren Maiveranstaltungen zurückgeflossen: So konnten wir die IG BAU bei ihrer Großveranstaltung in Riem, die IG Metall beim Streik, den DGB-Landesbezirk Bayern bei Großveranstaltungen beraten und unterstützen, und somit maßgeblich zur Realisierung und zum Gelingen der Veranstaltungen beitragen.

Nachfolgend die Übersicht über die Hauptreferenten der Kundgebungen:

1994

 Franziska Wiethold, HBV-Hauptvorstand

1995

 Herbert Mai, ÖTV-Vorsitzender

1996

 Günther Heidorn, DPG-Hauptvorstand

1997

 Klaus Dittrich, stellv. DGB-Landesbezirksvorsitzender


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