Deutscher Gewerkschaftsbund

17.07.2019

Fast jede zweite Neueinstellung erfolgt in München befristet

Trotz hoher Nachfrage nach Fachkräften bleibt die Zahl der Befristungen in München auf Rekordhöhe. Das ergibt eine Untersuchung des DGB mit Daten der Bundesagentur für Arbeit. Demnach war 2018 fast jede zweite sozialversicherungspflichtige Neueinstellung in München befristet (absolut 47,6%). In München sind besonders Arbeitsstellen im Bereich Information und Kommunikation und im Bereich Erziehung und Unterricht  betroffen, hier waren rund 70% aller Neueinstellungen befristet.

 

Grafik München Befristung

DGB

Es gibt Gruppen, die überdurchschnittlich von Befristungen betroffen sind wie etwa Beschäftigte unter 25 Jahren oder Beschäftigte in Teilzeit. Was in München-Stadt besonders ist, ist die hohe Quote an Befristungen im Bereich Experte.
Aber das zeigen die regionalen Zahlen auch, Befristungen sind längst zu einem Massenphänomen geworden.

 

Besonders gravierend dabei ist der Anstieg von sachgrundlosen Befristungen. Gemäß einer neuen Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) machten diese im Jahr 2018 4,0 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse in Bayern aus – insgesamt 256.000 Arbeitsverträge. Der Hauptgrund dafür soll die Überprüfung der Eignung von Beschäftigten sein. 

  

Simone Burger, Vorsitzende des DGB Kreisverbands für München Stadt und Land, FFB, Dachau und Starnberg, kritisiert diese Praxis: „Sachgrundlose Befristungen werden immer häufiger als verlängerte Probezeit missbraucht. Generell haben es Befristete schwer, gerechte Arbeitsbedingungen und gute Löhne einzufordern. Eine Schwangerschaft oder eine engagierte Betriebsratsarbeit kann dazu führen, dass der Vertrag einfach nicht verlängert wird. Schwer erkämpfte Rechte für einen besseren Kündigungsschutz werden dadurch unterlaufen. Wir können es nicht hinnehmen, dass immer mehr Beschäftigte Angst um Ihre Arbeit und Zukunft haben müssen. Die Abschaffung des Missbrauchs jahrelanger und sachgrundloser Befristungen wurde von den Regierungsparteien im Koalitionsvertrag beschlossen. Nach der parlamentarischen Sommerpause müssen endlich auch Taten folgen. Denn Gute Arbeit heißt unbefristete Arbeit!“ sagt Burger.

 

„Wer befristet ist, kann auch in anderen Lebensbereichen nicht langfristig planen. Knapp 80 Prozent der befristeten Verträge in Deutschland haben eine Laufzeit von unter zwei Jahren (Statistisches Bundesamt 2017). Jede/r kann sich vorstellen, was es bedeutet mit einem auf 12 Monate befristeten Arbeitsvertrag in unserer Region auf Wohnungssuche zu gehen. Das ist ein Albtraum.“


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