Deutscher Gewerkschaftsbund

01.12.2020

Arbeitsmarkt: Niedriglohnrisiko in der Region Garmisch-Partenkirchen bayernweit am drittgrößten!

Der DGB Kreisverband Weilheim-Garmisch prangert den umfangreichen Niedriglohnsektor in der Region an.

Tatort Niedriglohn GAP

DGB/Almer

 

Der DGB Kreisverband Weilheim-Garmisch prangert den umfangreichen Niedriglohnsektor in der Region Garmisch-Partenkirchen an. Mit 25,3 Prozent ist das Niedriglohnrisiko hier am dritthöchsten im Freistaat. Die Daten stammen aus dem neuen Report „Tatort Niedriglohn in Bayern“, den der DGB Bayern in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat.

 

Manfred Unger, Vorsitzender des DGB Weilheim-Garmisch hierzu: „Niedriglöhne sind kein Randphänomen mehr. Sie sind auch im reichen Bayern Alltag für rund eine Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Als Gewerkschaften wollen wir uns mit diesem Zustand nicht arrangieren. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass große Teile unserer Kolleginnen und Kollegen vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt sind und mit Armutslöhnen abgespeist werden.“

 

Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit sind alleine in Garmisch-Partenkirchen mehr als 4.437 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Besonders hoch ist das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus (51,8 %), gefolgt vom Wirtschaftszweig Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (27,9 %). Nicht nur, aber besonders in diesen Bereichen sind viele Beschäftigte von einem Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro pro Stunde betroffen.

 

„Über 4.400  Niedriglöhner in Vollzeit sind aber leider nur die Spitze des Eisbergs in Garmisch-Partenkirchen. Hinzu kommen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs. Alleine bei den Minijobs in Bayern sind sieben von zehn dem Niedriglohn zuzurechnen“, so Unger weiter. Für den DGB Weilheim-Garmisch ist klar: Es ist dringend geboten, den, im europäischen Vergleich hohen Niedriglohnsektor endlich auszutrocknen. Auch die kommunale Ebene muss ihrer Verantwortung gerecht werden. Öffentliche Aufträge müssen daher an die Tarifbindung und damit an ordentliche Löhne gekoppelt werden.

 

Manfred Unger hierzu: „Wir sehen ganz klar den Zusammenhang zwischen Tarifbindung und guten Löhnen. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1 % lag, galt dies für nur 8,1 % der Beschäftigten mit Tarifbindung. Es muss im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und im Alter gut versorgt sind. Auch in Garmisch-Partenkirchen brauchen wir daher als Anfang eine Auftragsvergabe ohne Lohndumping.“

 

Darüber hinaus müssen atypische Erwerbsformen wieder in Normalarbeit transformiert und die Tarifflucht der Arbeitgeber gestoppt werden.

 

„Der Report ‚Tatort Niedriglohn in Bayern‘ verdeutlicht: Hier ist ein Tatort entstanden, der den betroffenen Menschen Perspektiven auf ein gutes Leben raubt. Ein Tatort, der durch niedrige Löhne, die kaum zum Leben und erst recht nicht für das Alter reichen, die Luft zum Atmen nimmt. Hier ist ein Tatort, der zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. Dies gilt es umzukehren. Wir brauchen wieder ein Mehr an Guter Arbeit“, so der Vorsitzende des DGB Weilheim-Garmisch abschließend.


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